Coronavirus News: Nächste Biontech-Lieferung früher – Gesundheit

Für die Corona-Impfungen in Deutschland soll nun doch schon in der ersten Woche des neuen Jahres Nachschub kommen. Mit dem Impfstoff-Hersteller Biontech habe vereinbart werden können, dass die nächste Lieferung – wie ursprünglich geplant – bereits nächste Woche, am 8. Januar, erfolgen werde, teilte das Bundesgesundheitsministerium am Mittwoch in Berlin mit. Danach solle die nächste Lieferung am 18. Januar kommen, ab dann vorerst wöchentlich jeweils montags. Dabei würden anfangs etwa 670 000 Dosen pro Woche geliefert.

Aus mehreren Bundesländern wie Berlin oder Bayern war am Mittwoch Kritik laut geworden, dass eine für die erste Kalenderwoche 2021 zugesagte Lieferung ausbleiben sollte. Demnach sollte es erst am 11. Januar Nachschub geben, also in der zweiten Kalenderwoche 2021. Bislang seien wie geplant 1,3 Millionen Dosen des Impfstoffes von BioNTech und Pfizer geliefert worden. “Die heutige Lieferung deckt nach den Planungen von BioNTech auch die 1. Januarwoche ab.” Nach Daten des Robert-Koch-Instituts sind in Deutschland bislang 78.000 Menschen geimpft worden.

Berlin hätte etwa ab dem 4. Januar 29 250 weitere Impfdosen erhalten sollen. “Die hätten wir gebraucht, um mit den über 80-Jährigen anfangen zu können. Das können wir jetzt natürlich nicht”, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Mittwoch. Deshalb würden ab Mittwoch nun zunächst allein Menschen über 90 Jahren per Brief zu den Impfungen eingeladen. “Ich habe die Bitte an den Bund, die Lieferung etwas stabiler und zügiger zu organisieren. Wir können hier nicht alles vorbereiten und dann so eine Bremse bekommen”, sagte Kalayci. Das sei mehr als unglücklich gelaufen. “Ich bin sauer. Die Knappheit des Impfstoffs bleibt ein Problem für den Impfstart in Deutschland.”

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagte, es sei für sie “unverständlich, wie gerade bei derartig hohen Infektionszahlen eine komplette Lieferung einfach entfallen kann”. Die eigentlich zugesagten Impfdosen waren in Bayerns Impfzentren bereits fest eingeplant.

Spahn erwartet baldige Zulassung von Moderna-Impfstoff

Die Zahl der gemeldeten Todesfälle in Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung hat in Deutschland zum ersten Mal die Marke von 1000 innerhalb eines Tages überschritten. “1129 Familien werden diesen Jahreswechsel in Trauer erleben”, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Berlin allein mit Blick auf die jüngsten Todeszahlen bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Lothar Wieler, dem Chef des Robert-Instituts und Klaus Chichutek, dem Präsidenten des Paul-Ehrlich-Instituts.

Die Zahlen belegten, “wie brutal das Virus immer noch zuschlägt”, sagte Spahn. Sie zeigten auch, dass “wir von einer Normalität, wie wir sie uns wünschen, sehr weit entfernt sind”. In dieser Situation könne man nicht zurückkehren in einen Modus wie vor dem Lockdown. “Das gilt auch für Silvester”, sagte Spahn. Es sei notwendig, dass dieses das “wahrscheinlich ruhigste Silvester wird, an das sich Deutschland erinnern kann”.

Gleichzeitig sei dies aber auch eine Zeit für Hoffnung und Zuversicht. Seit dem 27. Dezember werde in Deutschland und in der EU mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer gegen das Coronavirus geimpft. “Der Impfstart ist gelungen”, sagte der Gesundheitsminister.

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Zudem sei mit den Zulassungen weiterer Impfstoffe zu rechnen. “Wir dürfen – Stand heute – für nächste Woche die Zulassung eines weiteren Impfstoffs erwarten – von Moderna”, kündigt er an. Man sei im Gespräch mit dem US-Konzern, um zügig eine Belieferung sicherstellen zu können. Er gehe davon aus, dass im ersten Quartal anderthalb bis zwei Millionen Dosen Moderna-Impfstoff zur Verfügung stünden. Zudem erwarte er, dass auch der heute in Großbritannien zugelassene Astra-Zeneca-Impfstoff in der EU gründlich und zügig geprüft werde.

Derzeit werden laut RKI-Chef Wieler 5600 Menschen in Deutschland intensivmedizinisch behandelt – auch das sei ein neuer Höchststand. Doch auch auf anderen Stationen würden die Betten rarer. Das Virus sei weiterhin in allen Bevölkerungsgruppen und allen Altersstufen verbreitet.

Angesichts dessen appellierte er an die Menschen: “Verreisen sie nicht, treffen sie möglichst nur wenige und wenn, dann nur dieselben Menschen – und treffen Sie sich möglichst draußen.” Die AHA-L-Regeln seien immer einzuhalten. “Auch bei Ihren Freunden und Verwandten können Sie sich anstecken.”

Klaus Cichutek vom Paul-Ehrlich-Institut äußerte sich zu aktuellen Prüfungen des derzeit verwendeten Impfstoffs. Es handele sich um einen “verträglichen Impfstoff, bei dem der Nutzen weit die Risiken überwiegt”, sagte er. Bei den laufenden Chargenprüfungen seien “keine besonderen Auffälligkeiten zu berichten.

Der Impfstoff schütze mit einer Wirksamkeit von 95 Prozent, verhindere also Covid-19-Erkrankunen und schwere Verläufe. Ein partieller Schutz sei bereits nach der ersten Dosis vorhanden, der komplette Schutz zwei Wochen nach der zweiten Dosis. Als Nebenwirkungen seien übliche vorübergehende Impfreaktionen beobachtet worden: Druckschmerz, Kopfschmerz, Unwohlsein, Muskel- oder Gliederschmerzen. Diese seien jedoch “vorübergehend und im höchsten Fall von moderater Natur”.

Mehr als 78 000 Menschen bereits geimpft

Bis Mittwochvormittag sind 78 109 Corona-Impfungen an das Robert Koch-Institut (RKI) gemeldet worden. Im Vergleich zum Vortag stieg die Zahl der Geimpften um 37 273, wie aus RKI-Angaben von Mittwoch hervorgeht. Diese Zahl könne allerdings auch Nachmeldungen enthalten und spiegele somit nicht die Zahl der an einem Tag tatsächlich Geimpften wider, betont das RKI.

Unter den Geimpften sind 37 302 Bewohner von Pflegeheimen. 32 678 Personen erhielten die Impfung aus beruflichen Gründen, darunter fallen medizinisches Personal mit sehr hohem Ansteckungsrisiko etwa in Notaufnahmen oder der Behandlung von Corona-Patienten sowie Personal in der Altenpflege. 20 913 Menschen wurden wegen ihres hohen Alters über 80 Jahre geimpft.

Die meisten Impfungen wurden bisher in Bayern erfasst (12 935), gefolgt von 11 385 in Nordrhein-Westfalen und 9 448 in Hessen. Eine Impfquote, also wie viele Menschen im Bezug auf die Gesamtbevölkerung geimpft wurden, nennt das RKI zu Beginn der Impfkampagne nicht, weil die Zahl der Geimpften insgesamt noch zu gering ist.

Derzeit ist nicht davon auszugehen, dass alle Geimpften bereits sicher vor der Erkrankung Covid-19 geschützt sind. Für einen vollständigen Schutz ist eine zweite Impfung nötig, die etwa drei Wochen nach der ersten fällig ist.

Erstmals mehr als 1000 Tote an einem Tag in Deutschland

Die Zahl der gemeldeten Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus hat zum ersten Mal die Marke von 1000 überschritten und damit einen Höchststand erreicht. Binnen eines Tages übermittelten die deutschen Gesundheitsämter dem Robert-Koch-Institut (RKI) 1129 neue Todesfälle, wie aus den RKI-Zahlen vom Mittwochmorgen hervorgeht. Außerdem wurden 22 459 Neuinfektionen gemeldet. Vergangenen Mittwoch (23.12.) waren 24 740 Neuinfektionen und der bisherige Höchststand von 962 Todesfällen gemeldet worden.

Das RKI hatte vor den Weihnachtstagen mitgeteilt, dass die aktuellen Zahlen nur bedingt mit den Werten der Vorwoche vergleichbar seien, da es zum Jahreswechsel hin mit einer geringeren Zahl an Tests und auch weniger Meldungen von den Gesundheitsämtern rechnete. Dennoch war die Zahl der neuen Todesfälle am Mittwochmorgen deutlich höher als vor einer Woche.

Der Tageshöchststand bei den gemeldeten Corona-Todesfällen ist aus Sicht des Robert Koch-Instituts (RKI) wohl auch durch Nachmeldungen bedingt. “Die plausibelste Erklärung ist die, dass es eben verzögerte Meldungen sind von Todesfällen”, sagte RKI-Chef Lothar Wieler am Mittwoch in Berlin. Über die Feiertage seien die Zahlen von Neuinfektionen und Gestorbenen relativ gering gewesen. Wieler bekräftigte, eher auf Wochenwerte zu blicken statt auf den Stand an einzelnen Tagen.

Die Zahl der binnen sieben Tagen an die Gesundheitsämter gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag am Mittwochmorgen bei 141,3. Ihr bisheriger Höchststand war am 22. Dezember mit 197,6 erreicht worden. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind jedoch enorm: Die höchsten Inzidenzen hatten am Dienstag Sachsen mit 330,0 und Thüringen mit 255,1 den niedrigsten Wert hatte Niedersachsen mit 79,6.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 1 687 185 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland (Stand: 30.12., 00.00 Uhr). Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg bis Mittwoch auf 32 107. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 1 302 600 an.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Bericht vom Dienstagabend bei 0,67 (Montag: 0,74). Dieser R-Wert bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 67 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor acht bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab. Das RKI betont in seinem Bericht aber, dass zum Jahreswechsel hin Corona-Fälle nur verzögert angezeigt, erfasst und übermittelt werden, “so dass der R-Wert zudem gegebenenfalls unterschätzt wird”.

Lauterbach: Infektionsgrenzwert 50 ist zu lasch

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält in der Corona-Pandemie die Orientierung am Infektionsgrenzwert 50 für zu leichtsinnig. Der Mediziner sprach sich am Mittwoch für einen Grenzwert von weniger als 25 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner und Woche aus.

50 ist der Grenzwert, an dem sich Bund und Länder als Zielmarke orientieren, weil davon ausgegangen wird, dass die Gesundheitsämter bis zu dieser Größenordnung noch Infektionsketten verfolgen können und die Lage beherrschbar bleibt. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts vom Mittwochmorgen liegt dieser Wert derzeit bei 141,3. Auch eine Reihe internationaler Experten hat bereits einen niedrigeren Orientierungswert gefordert.

Lauterbach begründete seine Forderung mit der Gefahr weiterer Mutationen des Coronavirus, nachdem bereits aus Großbritannien eine veränderte Virusvariante nach Deutschland gekommen ist. “Wenn die Fallzahlen hoch bleiben, wird diese gefährliche Variante sich ausbreiten. Die ist so ansteckend – wahrscheinlich -, dass selbst unter Lockdown-Bedingungen tatsächlich zusätzliche Ansteckungen erfolgen”, erklärte er im ZDF-“Morgenmagazin”. Die Gefahr sei, dass weitere Mutationen entstünden, gegen die die Impfungen nicht mehr wirkten. Derzeit sei dies noch nicht geschehen. Aber: “Man darf nicht mit dem Feuer spielen”, sagte Lauterbach.

Schäuble: Dürfen Ärmeren Impfstoff nicht wegschnappen

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat Vorwürfe zurückgewiesen, die Bundesregierung habe für Deutschland nicht genug Corona-Impfstoffdosen gesichert. “Ich kann die Kritik zwar nachvollziehen, aber ich halte sie dennoch für falsch”, sagte Schäuble der Neuen Osnabrücker Zeitung. “Wir können unsere Ungeduld nicht zum Maß aller Dinge machen und den Menschen in ärmeren Weltregionen den Impfstoff wegschnappen.”

Kritiker hatten der EU und auch Deutschland vorgehalten, zu wenig Impfstoff bestellt zu haben, weshalb es in anderen Staaten weltweit schneller vorangehe mit den Impfungen.

Die Hilfsorganisation Caritas international wies allerdings am Montag darauf hin, dass die entwickelten Länder den Großteil der weltweiten Impfproduktion bereits reserviert hätten. Dabei lebten in diesen Ländern nur 14 Prozent der Weltbevölkerung. Die Organisation rechne damit, dass im kommenden Jahr in 70 ärmeren Ländern nur zehn Prozent der Bevölkerung geimpft werden könnten.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wies Kritik am Tempo der angelaufenen Corona-Impfungen in Deutschland und an der Menge des zur Verfügung stehenden Impfstoffs zurück. Deutschland habe viel Impfstoff bestellt. Die absolute bestellte Menge verändere wenig daran, wie viele Dosen es im Moment gebe. Zum jetzigen Zeitpunkt sei der Impfstoff eben knapp, so der Bundesgesundheitsminister. Deutschland erwarte von den Herstellern Biontech und Moderna zusammen mehr als 130 Millionen Impfdosen. “Die allein würden schon reichen im nächsten Jahr, um jedem, der geimpft werden will, ein Impfangebot zu machen.”

Spahn betonte, Deutschland habe sich bewusst entschieden, bei der Beschaffung des Impfstoffs “den europäischen Weg zu gehen”. Dies schließe auch aus, mit den Herstellern parallel nochmals bilateral zu verhandeln.

“Sonderrechte” für Geimpfte: Verfassungsrechtler widersprechen Sichtweise

In der Debatte um eine mögliche Aufhebung von Corona-Beschränkungen widersprechen Verfassungsrechtsexperten der von mehreren Politikern geäußerten Sichtweise, wonach es keine “Sonderrechte” für Geimpfte geben dürfe.

“Sobald gesichert ist, dass von Geimpften keine Ansteckungsgefahr mehr ausgeht, gibt es verfassungsrechtlich keine Legitimation mehr, die Betroffenen in ihren Grundrechten weiter zu beschränken”, sagte Hans-Jürgen Papier, ehemals Präsident des Bundesverfassungsgerichts, der Bild-Zeitung. Er habe “verfassungsrechtliche Bedenken”, wenn der Staat selbst der Privatwirtschaft vorschreibe, welche Privilegien sie gewähren dürften – “solange diese nicht zur Verschärfung des Infektionsgeschehens” führe.

Auch der frühere Bundesverteidigungsminister und Staatsrechtler Rupert Scholz sieht hier eine mögliche Verletzung von Grundrechten. “Wer jetzt sogar per Gesetz angebliche ‘Sonderrechte’ oder ‘Privilegien’ für Corona-Geimpfte verhindern will und sich dabei auf die Solidarität mit Noch-nicht-Geimpften beruft, verdreht die Tatsachen”, sagte er der Bild-Zeitung. In Wahrheit gehe es nicht um Solidarität, sondern um die Frage, ob Bürger, die nachweislich nicht mehr ansteckend sind, weiter bevormundet werden sollten.

Ulrich Battis, Verfassungsrechtler und emeritierter Professor an der Humboldt-Universität in Berlin, sagte, er gehe davon aus, dass zunächst dieselben Regeln weitergelten. “Für konkrete Maßnahmen in diesem Bereich ist es noch zu früh. Noch ist die Lage unübersichtlich”, sagte er der Passauer Neuen Presse. Es gebe nur wenige Geimpfte, und der Impfstoff sei knapp. Über die genaue Wirkung des Impfstoffs herrsche noch keine Klarheit. In Deutschland gelte im Übrigen das Diskriminierungsverbot und der Schutz der Privatsphäre.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte bei “Bild Live”, er sei “selbst hin und her gerissen”. Mit Blick auf Gaststätten oder Konzerte sagte er: “Ich finde schon, dass da ein Unterschied ist zwischen dem staatlichen Handeln oder eben öffentlicher Daseinsvorsorge: U-Bahn, S-Bahn, wie verhalten sich da alle Beteiligten? Oder ob jemand eben sagt auch im privat-gewerblichen, er möchte eben nur für Immune öffnen oder nicht.” Allerdings fügte er hinzu, dass unklar sei, ob Geimpfte weiterhin andere anstecken könnten. Das mache “einen ganz entscheidenden Unterschied”. Er empfehle, die Erkenntnisse dazu abzuwarten.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält die Diskussion über eine Benachteiligung von Nicht-Geimpften derzeit für verfehlt. “Das ist doch eine Luxusdebatte, wenn man so will, im Moment sterben uns die Leute”, sagte Lauterbach am Mittwoch im ZDF-“Morgenmagazin”.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte sich dagegen ausgesprochen, Geimpften Privilegien zu gewähren, selbst in der Privatwirtschaft. Das spalte die Gesellschaft. SPD-Rechtsexperte Johannes Fechner regte an, die Gleichbehandlung gesetzlich festschreiben zu lassen.

Spahn: Corona-Lockdown über 10. Januar hinaus

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet mit einer Fortsetzung der Corona-Schutzmaßnahmen über den 10. Januar hinaus. “Stand heute jedenfalls sind wir mit den Zahlen bei Weitem noch nicht da, wo wir hinmüssen”, sagte Spahn am Dienstagabend in den ARD-“Tagesthemen”. Deshalb werde es nach dem 10. Januar ohne Zweifel weiterhin Maßnahmen geben.

“In welchem Umfang, das müssen wir Anfang Januar mit den Bundesländern entscheiden”, fügte der Minister hinzu. Es sei aber absehbar, dass die Zahlen bis dahin nicht so niedrig sind, “dass wir einfach in den Vorlockdown-Modus zurückkönnen”.

Die derzeitigen zum 16. Dezember in Kraft getretenen Kontaktbeschränkungen gelten noch bis zum 10. Januar. Ziel der bundesweiten Einschränkungen ist es, die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner auf maximal 50 innerhalb von einer Woche zu senken. Am 5. Januar werden sich die Regierungschefs der Bundesländer erneut mit Bundeskanzlerin Merkel beraten.

Coronavirus-Mutation in NRW nachgewiesen

Die zunächst in Großbritannien nachgewiesene Mutation des Coronavirus ist nun auch nachweislich in Nordrhein-Westfalen angekommen. “Das Landeszentrum Gesundheit ist gestern Nachmittag vom RKI telefonisch darüber informiert worden, dass die aus Großbritannien bekannte Mutation des Coronavirus bei einer Person aus dem Kreis Viersen und damit erstmals auch in NRW nachgewiesen worden ist”, teilte das NRW-Gesundheitsministerium am Dienstag mit. Das örtliche Gesundheitsamt gehe dem Fall mit der neuen Zusatzinformation nun weiter nach.

Wie der Kreis Viersen mitteilte, handelte es sich bei dem Infizierten um einen 58-Jährigen, der Anfang Dezember erkrankt und inzwischen bereits wieder genesen sei. Der Mann habe sich nicht in Großbritannien, sondern bei einem Kollegen aus Tschechien angesteckt. In den vergangenen Tagen war die mutierte Coronavirus-Variante B.1.1.7 auch schon bei Patienten in Baden-Württemberg und Niedersachsen nachgewiesen worden. Sie ist nach Einschätzung von Wissenschaftlern deutlich ansteckender als die bisher bekannte Version.

Krankenhausgesellschaft warnt vor finanziellen Engpässen

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft schlägt angesichts der coronabedingten Betriebseinschränkungen Alarm: “Wenn die Bundesregierung die Hilfen nicht deutlich erhöht, werden flächendeckend Kliniken bereits im ersten Quartal 2021 nicht mehr die Gehälter ihrer Mitarbeiter zahlen können”, sagte der Präsident der Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. “Das Geld aus der Regelversorgung fehlt.” Die Krankenhäuser verfügten nur noch begrenzt über finanzielle Mittel.

Zwei Drittel aller Klinikbetreiber rechnen im Gesamtjahr 2020 mit Verlusten, wie aus dem aktuellen Krankenhaus-Barometer des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) hervorgeht, das dem Berliner Tagesspiegel (Dienstag) vorliegt. 18 Prozent der knapp 2000 Kliniken mit 1,3 Millionen Mitarbeitern beurteilen ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als gut.

Die Bundesregierung hatte Mitte Dezember einen neuen Rettungsschirm für die Krankenhäuser aufgespannt. Nach dem Konzept des Gesundheitsministeriums erhalten diese in besonders coronabelasteten Gebieten Ausgleichszahlungen, wenn sie auf aufschiebbare Eingriffe verzichten und damit Betten frei halten. Davon würden aber lediglich 25 Prozent der Kliniken erfasst, erklärte Gaß. Der Verbandspräsident schlug vor, dass die Kliniken auf der Basis von 2019 monatlich ihr Budget erhalten sollten und Ende 2021 genau abgerechnet wird.

Kritik an Vergabesystem für Impftermine

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag, Karin Maag (CDU), hat Kritik an der Terminvergabe für die Corona-Impfungen geäußert. “Es kann nicht sein, dass man eine Impfkampagne startet und dann keine Termine bekommen kann”, sagte die Stuttgarter Bundestagsabgeordnete der Augsburger Allgemeinen. Sie habe vergeblich versucht, für ihre 85-jährige Mutter einen Impftermin über den bundesweiten Patientenservice unter der Telefonnummer 116117 zu reservieren. Sie sei auf die gleichnamige Handy-App verwiesen worden. “Doch bei der App ist die Terminvergabe noch nicht freigeschaltet.”

Das seien “Anfängerfehler”, sagte Maag. “Das ärgert mich.” Das Bundesgesundheitsministerium erklärte nach Angaben der Zeitung, dass die Länder für Impfungen und Terminvergabe zuständig seien. “Das ist Ländersache”, wird eine Sprecherin zitiert. Die Bundesländer können ihren Worten zufolge das Terminsystem hinter der Patientennummer nutzen, müssten das aber nicht. Manche Länder wollten die Terminvergabe unter 116117 auf eigene Systeme weiterleiten.

RKI: Mehr als 18 000 Menschen geimpft

Einen Tag nach dem offiziellen Start der Impfungen gegen das Coronavirus hat das Robert-Koch-Institut (RKI) erste Zahlen zur Kampagne veröffentlicht: Demnach wurden bereits mehr als 18 000 Menschen geimpft. Die Gesamtzahl der Impfungen lag demnach am Montagmorgen bei 18 454 (ohne Hessen, Datenstand 28.12.2020, 8:00 Uhr).

Zu Beginn der Kampagne werden in Deutschland zunächst Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, Menschen über 80 Jahre sowie medizinisches Personal und Pflegende in Heimen und Kliniken geimpft. Offiziell war in Deutschland am Sonntag mit den Corona-Impfungen begonnen worden. Vereinzelt waren jedoch bereits am Samstag Menschen geimpft worden.

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