Corona: RKI meldet mehr als 17.000 Neuinfektionen ++ Wirbel um Astrazeneca

  • Über 17.000 Corona-Neuinfektionen: Das RKI meldet am Mittwoch einen Anstieg von mehr als 1200 gegenüber dem vergangenen Mittwoch
  • Wegen weiteren Fällen von Thrombosen verschärfen Bund und Länder die Vorgaben für den Corona-Impfstoff von Astrazeneca
  • Dennoch halten Kanzlerin Merkel und Gesundheitsminister Spahn an der Impfzusage für die Bevölkerung fest
  • Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission betont, dass die Kontrollfunktion bei Astrazeneca funktioniert hat
  • Virologe Christian Drosten glaubt, dass die dritte Welle der Corona-Pandemie durch einen harten Lockdown zu bremsen ist
  • Patientenschützer wünschen sich Wahlfreiheit bei der Frage, mit welchem Impfstoff man geimpft wird

Berlin. Nach einem Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern soll der Impfstoff des Herstellers Astrazeneca künftig nur noch an Menschen verabreicht werden, die älter als 60 Jahre sind. Damit richten sich die Minister nach einem neuen Beschluss der Stiko vom Dienstag, der genau dies empfiehlt. Der Grund: weitere Fälle von Hirnvenenthrombosen nach der Verabreichung des Vakzins.



Im Kreis Euskirchen wurden zwei neue Thrombose-Fälle nach einer Astrazeneca-Impfung gemeldet. Eine der betroffenen Frauen starb an den Folgen. Im Anschluss setzte die Stadt in NRW Impfungen mit dem Vakzin bei allen Frauen unter 55 Jahren aus. Dem folgten zunächst einige Städte und am Dienstagabend schließlich auch das Gesundheitsministerium des Landes mit seinem neuen Beschluss.



Dem Papier von Bund und Ländern zufolge können sich unter 60-Jährige “nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung” allerdings weiterhin mit dem Astrazeneca-Vakzin impfen lassen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) betonten, dass sich am angepeilten Impfplan trotz aktueller Ereignisse nichts ändern soll.

Corona-Zahlen: RKI meldet über 17.000 Neuinfektionen

Die Pandemie-Zahlen steigen unterdessen weiter stark an. In Deutschland sind binnen eines Tages mehr als 17.000 Corona-NeuInfektionen gemeldet worden. Wie das RKI am Mittwochmorgen unter Berufung auf Angaben der Gesundheitsämter mitteilte, wurden 17.059 neue Ansteckungen nachgewiesen. Das sind rund 1200 mehr als am Mittwoch vergangener Woche.


Die Sieben-Tage-Inzidenz ist unterdessen leicht gefallen. Nachdem sie am Dienstag bei 135,2 gelegen hatte, gab das RKI den Wert am Mittwoch mit 132,2 an. Lesen Sie dazu: RKI meldet Corona-Fallzahlen und aktuellen Inzidenz-Wert.


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Corona-News vom Mittwoch, 31. März: Pistorius kündigt rigorose Kontrollen zu Ostern an

8.21 Uhr: Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius hat mit Blick auf die Feiertage zusätzliche Kontrollen zur Einhaltung der Corona-Regeln angekündigt. „Die Polizei wird auch während der Ostertage präsent sein und konsequent gegen Verstöße vorgehen“, sagte der SPD-Politiker der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch). „Auch wenn es bereits das zweite Osterfest ist, das wir im Lockdown verbringen, notwendig sind diese Maßnahmen nach wie vor, um uns und andere zu schützen.“ Die Polizei bereite sich auf Schwerpunkteinsätze zur Überwachung und Durchsetzung der Corona-Verordnung vor – „mit allen zur Verfügung stehenden Kräften“, erklärte das Innenministerium gegenüber der Zeitung.


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Expertin: An Ostern nicht überall Präsenzgottesdienste

7.58 Uhr: Trotz Pandemie ein Präsenzgottesdienst an Ostern? Die Kirchengemeinden gehen nach Beobachtung einer Expertin sehr unterschiedlich damit um. „Es gibt schon auch viele, die sagen: “Wir persönlich können das nicht verantworten, wir machen das in einer anderen Form.”“, sagte die Religionssoziologin Anna Neumaier vom Zentrum für angewandte Pastoralforschung der Ruhr-Universität Bochum der Deutschen Presse-Agentur.

Diese anderen Formen könnten Digital-, Open Air- oder Drive-in-Gottesdienste sein. Eine Möglichkeit sei auch, in der Kirche zwar keinen Gottesdienst zu zelebrieren, sie aber offen zu lassen, so dass man sich dort zum Beispiel eine Osterkerze abholen könne. In der vergangenen Woche hatten Bund und Länder die Kirchen kurzzeitig gebeten, an Ostern auf Präsenzgottesdienste zu verzichten.


Menschen im Norden halten sich an Ausgangssperren

7.54 Uhr: Die Menschen haben sich in der Nacht weitgehend an die coronabedingten Ausgangssperren gehalten. Die Polizeistellen in den betroffenen Landkreisen Peine, Wesermarsch, Celle und Bremerhaven verzeichneten keine nennenswerten Einsätze, wie es hieß. In Bremerhaven, wo die nächtliche Ausgangssperre bereits seit Montag gilt, unterstützten einige Beamte aus Bremen die örtlichen Kräfte. Es habe ein paar Kontrollen gegeben, größere Verstöße seien aber nicht vorgekommen, sagte ein Sprecher am Mittwochmorgen

Hilfswerk Plan International: Corona „hat uns um Jahre zurückgeworfen“

7.43 Uhr: Die Corona-Pandemie macht mit ihren Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder dem Hamburger Kinderhilfswerk Plan International Deutschland auch in puncto Gleichberechtigung zu schaffen. „Das Virus hat uns um Jahre zurückgeworfen“, sagte Kathrin Hartkopf, die am Donnerstag ihr neues Amt als Sprecherin der Geschäftsführung des weltweit tätigen Vereins antritt, der Deutschen Presse-Agentur. Die ohnehin vorhandene Benachteiligung von Mädchen und jungen Frauen verstärke sich in Krisenzeiten. „Deshalb müssen wir unsere Programmarbeit vor Ort weiter stetig anpassen.“ Plan International arbeitet nach eigenen Angaben weltweit in mehr als 70 Ländern.


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Zahl der Straftaten von Kindern und Jugendlichen zurückgegangen

7.33 Uhr: In der Corona-Pandemie des vergangenen Jahres hat sich die Kinder- und Jugendkriminalität in Niedersachsen deutlich abgeschwächt. Das Jahr 2020 sei ein Ausnahmejahr gewesen – gerade auch für junge Menschen, sagte Landespolizeipräsident Axel Brockmann. Angesichts des veränderten Alltags und der Kontaktbeschränkungen sei die Zahl junger Verdächtiger bis 14 Jahre auf 6441 gesunken – 2019 waren es noch 7840. Bei Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren sank die Zahl von 18.989 auf 17.476, bei Heranwachsenden unter 21 Jahren von 19.706 auf 18.752 Verdächtige.

Besonders deutlich war der Rückgang bei Fällen von Körperverletzung: Den Angaben zufolge sank die Zahl der Fälle mit jungen Tatverdächtigen von 10.670 im Jahr 2019 auf 8424 im vergangenen Jahr. Bei Raubdelikten gab es einen Rückgang von 728 auf 599. Dagegen wurden Abbildungen des sexuellen Missbrauchs von Kindern deutlich häufiger verbreitet – und auch Kinder und Jugendliche selbst gäben Bilder und Videos oft leichtfertig über Messenger-Dienste weiter, erklärte Brockmann. Die Zahl der Fälle mit jungen Verdächtigen stieg von 1007 auf 1332 Fälle.

Stiko-Vorsitzender: Kontrollfunktion bei Astrazeneca hat funktioniert

6.02 Uhr: Nach der erneuten Änderung der Impfempfehlung für Astrazeneca hält der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko) einen Vertrauensverlust für möglich: „Es kann sein, dass dadurch Vertrauen schwindet“, sagte Mertens unserer Redaktion. Es könne aber auch das Gegenteil bewirken. In jedem Fall habe die Kontrollfunktion des Paul-Ehrlich-Instituts gut funktioniert. „Sie haben mehr als 30 besorgniserregende Fälle registriert, es wurde intensiv geprüft und Alarm geschlagen und jetzt reagiert man darauf. Das sollte eigentlich vertrauensbildend sein“, so Mertens.

1.11 Uhr: SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Karl Lauterbach zeigte sich optimistisch, dass die Astrazeneca-Entscheidung keine großen Auswirkungen auf die Impfkampagne in Deutschland haben wird. „Wir werden eine kleine Delle haben von ein paar Tagen, wo es Verwirrung gibt, aber dann wird das Impftempo wieder voll anziehen“, sagte Lauterbach in den ARD-„Tagesthemen“.

Generell überwiege bei über 60-Jährigen der Nutzen über möglichen Risiken. „Es ist ein sehr guter Impfstoff, den ich weiter empfehlen kann“, sagte Lauterbach. Die Entscheidung der Bundesregierung sei aber richtig gewesen. Man müsse auf die neuen Daten reagieren, denn „das ist keine Kleinigkeit, über die wir hier reden.“

Dienstag, 30. März: Spahn und Merkel betonen: Impfplan wird eingehalten

22.52 Uhr: Bei ihrem gemeinsamen Auftritt haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) am Dienstagabend betont, dass der angepeilte Impfplan für die Bevölkerung eingehalten werde – trotz der Probleme mit dem umstrittenen Impfstoff von Astrazeneca.

In den kommenden Wochen erwarte er rund 70 Millionen zusätzlicher Impfdosen, sagte Spahn, darunter auch solche des neu in der EU zugelassenen Impfstoffs von Johnson & Johnson. Im Spätsommer sollen nach den Worten Spahns alle Bundesbürgerinnen und -bürger geimpft sein – vorausgesetzt, alle Lieferungen treffen ein und alle eingeplanten Impfstoffe behielten ihre Zulassung. Einzig für Kinder gebe es noch keine geeigneten Impfstoffe.


Spahn und Merkel schließen sich der Stiko an

21.38 Uhr: Die Bundesregierung schließt sich der Empfehlung der Stiko an, Astrazeneca nicht mehr an Menschen unter 60 Jahren zu verabreichen. Das sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einer Besprechung mit ihrem Kabinettskollegen Jens Spahn. Auf die Frage, ob der neuerliche Impfstopp nicht erneut zu einem Vertrauensverlust geführt habe, sagte Merkel: „Ich kann die Verunsicherung nicht wegreden.“ Sie denke aber, dass Offenheit und Transparenz der beste Weg sei, um damit umzugehen.

Spahn betonte, Astrazeneca sei ein sehr wirksamer Impfstoff. Er appelliere an die über 60-Jährigen, das nun entstehende Impfangebot auch wahrzunehmen. Jüngere hätten nun im Gegenzug die Möglichkeit, mit anderen Impfstoffen geimpft zu werden. Wie die Zweitimpfung für diejenigen aussehen kann, die jünger als 60 sind und bereits die Erstimpfung mit Astrazeneca bekommen haben, müsse noch mit Experten abgestimmt werden.

Drosten mahnt deutlich schärfere Maßnahmen an

21.20 Uhr: In seinem Podcast bei NDR Info hat der Virologe Christian Drosten schärfere Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus gefordert. „Ich glaube, es wird nicht ohne einen neuen Lockdown gehen, um diese Dynamik, die sich jetzt ohne jeden Zweifel eingestellt hat, noch einmal zu verzögern“, sagte der Charité-Wissenschaftler .

Gesundheitsminister: Astrazeneca nur noch für Menschen ab 60 Jahren

19.53 Uhr: Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca soll nach einem Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern ab Mittwoch nur noch für Personen ab 60 Jahren eingesetzt werden. Unter 60-Jährige sollen sich „nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung“ weiterhin damit impfen lassen können, wie aus dem Beschluss von Dienstagabend hervorgeht, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Die Länder sollen nun auch schon 60- bis 69-Jährige für das Mittel von Astrazeneca mit in ihre Impfkampagnen einbeziehen können, wie die Gesundheitsminister beschlossen. „Dies gibt die Möglichkeit, diese besonders gefährdete und zahlenmäßig große Altersgruppe angesichts der wachsenden 3. Welle nun schneller zu impfen.“

Nach „Spiegel“-Informationen soll es am Abend außerdem noch Gespräche zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Länderchefinnen und -chefs geben. Im Anschluss ist eine Pressekonferenz von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gemeinsam mit Merkel geplant.


Sachsen-Anhalt hält trotz hoher Infektionszahlen an Öffnungen fest

19.40 Uhr: Die schwarz-rot-grüne Landesregierung in Sachsen-Anhalt will trotz der hohen Corona-Zahlen im Land Öffnungen im Rahmen von Modellprojekten zulassen. Das stehe dem Kampf gegen die Pandemie nicht im Wege. „Modellprojekte sind keine Öffnungsprojekte“, sagte Rainer Haseloff (CDU) am Dienstag.

Die Landesregierung wolle damit Bereiche, die „in die Illegalität oder Unkontrollierbarkeit“ geraten seien, „reinholen in die Transparenz“. Von den versuchsweisen Öffnungen verspricht sich die Landesregierung Erkenntnisse über die Effizienz verschiedener Hygienekonzepte und der Nachverfolgbarkeit von Kontakten. Wie ein Restaurantbesuch wieder möglich werden könnte und wie der digitale Dreiklang dazu aussieht, lesen Sie hier.

Modell-Öffnungen in Brandenburg werden verschoben

18.49 Uhr: Der Start der Corona-Modellprojekte in Brandenburg wird verschoben. Das teilte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Dienstag mit. „Das ist aus meiner Sicht das falsche Signal, wo wir einen massiven Anstieg der Infektionen haben“, sagte der Regierungschef in Potsdam über die zunächst geplanten Projekte.

Modellprojekte in Kreisen oder Städten sollten Lockerungen ermöglichen – für die nötigen Spielräume sollten Corona-Tests und eine App zur Kontaktverfolgung schaffen. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Brandenburg lag am Dienstag bei einem Wert von 145,4.

Stiko legt sich fest: Astrazeneca nur noch für Menschen ab 60 Jahren

18.35 Uhr: Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt den Corona-Impfstoff von Astrazeneca nur noch für Menschen ab 60 Jahren. Wie die Stiko am Dienstag mitteilte, wurde die Empfehlung „auf Basis der derzeit verfügbaren Daten zum Auftreten seltener, aber sehr schwerer thromboembolischer Nebenwirkungen“ bei jüngeren Geimpften geändert. Zur Verabreichung der zweiten Impfstoffdosis für Menschen unter 60 Jahren, die bereits eine erste Dosis des Astrazeneca-Impfstoffs erhalten haben, will die Stiko bis Ende April eine ergänzende Empfehlung abgeben. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat sich am Abend noch nicht geäußert. Zuletzt hatte sie das Vakzin von Astrazeneca als sicher und wirksam im Kampf gegen Covid-19 eingestuft.

Patientenschützer für Wahlfreiheit bei Corona-Impfstoffen

18.00 Uhr: Angesichts des neuen Wirbels um den Corona-Impfstoff von Astrazeneca fordern Patientenschützer mehr Flexibilität beim Einsatz der verschiedenen Präparate. „Damit die Impfkampagne endlich Fahrt aufnehmen kann, müssen Impfwillige die Wahlfreiheit bei den Seren erhalten“, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. „Doch damit darf nicht die ethische Reihenfolge beim Impfangebot aufgegeben werden. Sonst kommen immobile, schwerst kranke und pflegebedürftige Menschen unter die Räder.“


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